„Ich bin 59 Jahre alt und lebe seit 26 Jahren in Südtirol. Meine Wurzeln liegen jedoch anderswo: in einer italienisch-deutschen Familie und in einem Küstenort, den ich bis heute in meinem Herzen trage. Ich bin in Capo d’Orlando aufgewachsen, gegenüber den Äolischen Inseln. Ich war schon immer neugierig und unternehmungslustig und habe es geliebt zu reisen, nicht zuletzt dank meiner Sprachkenntnisse.
Nach meinem Wirtschaftsstudium und ersten Berufserfahrungen beschloss ich, nach Mailand zu ziehen. Dort arbeitete ich in einem multinationalen Unternehmen und absolvierte einen Master an der Bocconi-Universität. Es war eine bedeutende Veränderung: Ich ließ das Meer und meine Wurzeln hinter mir und musste neue Beziehungen aufbauen und ein neues Gleichgewicht finden.
Nach dieser Zeit kam ich auf den Rat einer Freundin nach Südtirol und begann meine Laufbahn als Lehrerin. Hier habe ich meine Familie gegründet, einen Kollegen geheiratet und bin Mutter von zwei Kindern geworden, die heute in Bozen studieren.
Momente der Unsicherheit und der Sehnsucht nach meiner Heimat blieben nicht aus. Mit der Zeit habe ich jedoch verstanden, dass Integration nicht bedeutet, auf die eigenen Wurzeln zu verzichten, sondern seinen Platz in einer neuen Gemeinschaft zu finden, ohne die eigene Identität zu verlieren.
Ich liebe Sizilien von ganzem Herzen, habe aber auch gelernt, diese Region mit ihrer Kultur, ihren Besonderheiten und ihren Herausforderungen zu lieben. Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass es für Menschen, die aus einer anderen Provinz oder einem anderen Land kommen, nicht ausreicht, eine Arbeit zu finden oder sich in den bürokratischen Verfahren zurechtzufinden. Es gibt ein noch tieferes Bedürfnis: sich willkommen und anerkannt zu fühlen und als Bereicherung für die Gemeinschaft wahrgenommen zu werden."